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Die Formel-3-Story

Die Formel-3-Story

Die Geburtsstunde der Formel 3 liegt in England: 1946 schufen Charles und John Cooper im südenglischen Bristol die Formel 3 als Einstiegsformel unter dem inoffiziellen Namen "500 cc". Dieser wurde von den Motorradmotoren abgeleitet, die über lediglich 500 Kubikzentimeter und 45 PS verfügten und damit die Monoposti auf 160 bis 180 km/h beschleunigten. Fast 300 Fahrzeuge wurden von der Firma Cooper gebaut.

Eine ähnliche Entwicklung war zeitgleich auch in Deutschland zu verzeichnen, wo die Motoren allerdings über 750 Kubikzentimeter verfügten und von Zündapp oder BMW stammten. Mit den als Kleinstrennwagen bezeichneten Autos wurden zwischen 1948 und 1951 sogar eigene Meisterschaften ausgetragen. Der Trend allerdings ging schon Ende der 40er-Jahre in Richtung 500 Kubikzentimeter-Motoren, da diese sich in ganz Europa durchsetzten und auch bei internationalen Rennen zum Einsatz kamen.

1950 fand ein erster Versuch einer Deutsche Formel-3-Meisterschaft mit Toni Kreuzer (München) auf einem Cooper-JAP als Champion statt, 1953 folgte bereits das Ende der neuen Rennserie.

Zu jener Zeit gab es unzählige Eigenkonstruktionen, an deren Spitze der Scampolo von Walter Komossa (Recklinghausen) stand. Angetrieben wurden die Rennwagen überwiegend von BMW- und DKW-Motoren.

Die Katastrophe von Le Mans setzte der aufstrebenden Serie ein jähes Ende und stürzte sie in eine träge Flaute. Gegen Ende der 50er-Jahre wurde es immer schwieriger eine Genehmigung für motorsportliche Veranstaltungen zu erhalten, die Auflagen waren oft nicht erfüllbar. Aber auch die Motoren wurden mittlerweile als zu schwach empfunden.

1960 lebte die Formel Junior Meisterschaft in Deutschland auf, in deren Wertung auch Bergrennen fielen. Gerhard Mitter (Leonberg) auf einem umgebauten Mitter-Lotus und Kurt Ahrens (Braunschweig) auf diversen Cooper-Fahrgestellen waren die schillernden Piloten. 1964 wurde die Klasse Formel Junior von der FIA in Formel 3 umbenannt und auf Motoren mit 1.000 Kubikzentimeter begrenzt. Dominiert wurden die Meisterschaften von Fahrzeugen der Marken Cooper, Brabham und Lotus.

1971 stieg der Hubraum in der Formel 3 auf 1.600 Kubikzentimeter, und 1974 bereits auf 2 Liter. In dieser Zeit fanden diverse Cups statt, jedoch keine Deutsche Meisterschaft. Erst 1974 gab die Polifac Trophy, die nach dem Kfz-Reinungsmittelhersteller Polifac benannt war, erste Hoffnung auf eine viel versprechende Nachfolgerennserie der Formel Junior.

Die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Deutschen Formel-3-Meisterschaft, die seinerzeit allerdings noch Pokal genannt wurde, führt ins Jahr 1975 zurück. Damals holte sich Ernst Maring (Braunschweig) auf einem Maco 375-Toyota den ersten Meistertitel. Im gleichen Jahr wurde der erste Formel-3-Europa-Cup der FIA ausgetragen.

Die Formel-3-Europameisterschaft, zwischen 1976 und 1984 mit jährlich 16 Rennen versehen, wurde aus Kostengründen eingestellt. In Deutschland stand die Formel-3-Meisterschaft damals nur Piloten mit deutscher Lizenz offen. Ausländische Lizenzinhaber erschienen zwar in den Ergebnislisten - es wurden viele Läufe in Kombination mit den EM-Rennen ausgetragen - erhielten jedoch für das deutsche Championat keine Punkte.

Eine Art Ersatzfunktion für die gestrichene Europameisterschaft übernahmen drei internationale Events: ab den 80er-Jahren der Macau Grand Prix und ab 1991 das Masters in Zandvoort. Noch aus den 50er-Jahren stammte der Monaco Grand Prix, der jedoch 1997 letztmalig für die Formel 3 stattfand.

Seit 1985 wird die Int. Deutsche Formel-3-Meisterschaft international ausgeschrieben, sodass auch ausländische Fahrer Deutscher Formel-3-Meister werden können.

Den ganz großen Aufschwung erlebt die Formel 3 in Deutschland seit Beginn der 90er-Jahre. Michael Schumacher wurde 1990 Deutscher Meister und anschließend der beste Botschafter für die höchste deutsche Formel-Rennserie. Zudem führte die Formel-3-Vereinigung e.V. (F3V) die Serie mit viel Geschick und Weitblick in eine sichere Zukunft.

Ein Eckpfeiler für den Erfolg war die Kooperation mit der DTM/ITC (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft/International-Touringcar-Championchip), mit der die Formel 3 von 1990 bis 1996 ein gemeinsames, spektakuläres Paket bildete. Zwischen 1997 bis 1999 trat man gemeinsam mit der STW (Super-Tourenwagen-Meisterschaft) an und ab 2000 erneut mit der wiedererstarkten DTM.

Dass die Int. Deutsche Formel-3-Meisterschaft den entscheidenden Karriereschub verleiht, unterstreicht auch die Aussage von Jarno Trulli, nachdem er sich 1996 den Titel gesichert hatte: "Jetzt besitze ich die Kreditkarte für die Formel 1." Ein weiteres Indiz für das hohe Ausbildungsniveau ist die Tatsache, dass im Formel-1-Feld der Saison 2000 allein sieben ehemalige Piloten ( Michael und Ralf Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Jos Verstappen, Alexander Wurz, Jarno Trulli, Nick Heidfeld) aus der Formel 3 in Deutschland starten.

Auch im 25. Jubiläumsjahr erlebte die Int. Deutsche Formel-3-Meisterschaft einen riesigen Zuspruch: Fahrer aus neun Nationen waren dabei, rund 30 Fahrzeuge, mit Opel, Renault und Honda drei Motorenhersteller sowie mit Dallara und Martini zwei Chassis-Konstruktionen.

Seit der Gründung der Formel-3-Vereinigung e.V. (F3V) am 29. November 1975 zeichnete dieser am Amtsgericht Bitburg eingetragene Verein für die Organisation und das Wohlergehen des Formel-3-Sports in Deutschland verantwortlich. Die vorläufig letzte Saison der Int. Deutschen Formel-3-Meisterschaft fand 2002 statt, da der DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) auf die weitere Ausschreibung des Championats zu Gunsten der neuen Formel-3-Euroseries verzichtete.

Somit bleibt Gary Paffett der vorläufig letzte ‚Deutsche Formel-3-Meister'. Der Brite holte seinen bislang wichtigsten Titel 2002 in einem unglaublich starken Feld mit über 30 Fahrern aus 13 verschiedenen Nationen – mehr waren in keiner anderen Formel-3-Serie weltweit zu finden.

Der Formel-3-Vereinigung ist es zu verdanken, dass nach dem Ende der Deutschen Formel-3-Meisterschaft weiterhin hochklassiger Formel-3-Sport in Deutschland geboten wird. 2003 schrieb die F3V demnach mit Genehmigung des DMSB den RECARO Formel-3-Cup aus. Sofort waren die Teams und Fahrer wieder zur Stelle, um die neue Plattform zu nutzen. Vor allem kostengünstig sollte die neue Serie sein. Diesem Vorsatz trägt sie seitdem Rechnung: die Budgets im RECARO Formel-3-Cup liegen höchstens im Drittelbereich derer, die in der Formel-3-Euroserie aufgebracht werden müssen.

Der erste Champion des RECARO Formel-3-Cup wurde 2003 Joao Paulo de Oliveira. Der Brasilianer spielte seine Formel-3-Erfahrung aus und stieg mit dem Titel in den hoch bezahlten japanischen Formelsport auf. Auch der Meister des Jahres 2004 hat seinen Aufstieg geschafft. Nach dem knappen Titelgewinn im RECARO Formel-3-Cup sicherte sich Bastian Kolmsee einen Platz im erfolgreichen Tourenwagen-Team Abt Sportsline. Dass die neue deutsche Formel-3-Serie exzellente Chancen bietet und die Leistungen der jungen Piloten überall Anerkennung finden, zeigt auch das Beispiel Jan Seyffarth, der über den RECARO Formel-3-Cup direkt als Porsche-Werksfahrer 2004 berufen wurde. 2005 kam Peter Elkmann zum Meisterehren. Sofort waren diverse Tourenwagen- und Formel-Teams zur Stelle und boten dem jungen Mann aus Steinfurt Testfahrten an.

2005 schlug der RECARO Formel-3-Cup ein neues Kapitel auf: als erste Formel-Rennserie Europas trat man im Oval an. Die beiden Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz waren an Spannung und Positionswechseln nicht mehr zu überbieten. Mit über 251 km/h im Schnitt flogen die Monoposti durchs Oval. 2006 gibt es wieder ein Novum in Deutschlands schnellster Formel-Rennserie: ab sofort sind auch die aktuelle Fahrzeuge der Baujahre 2005 und 2006 zugelassen.

ATS Formel-3-Cup startet durch
Auch 2007 setzte die Formel 3 in Deutschland ihre innovative Ausrichtung fort. Der Räderhersteller ATS übernahm die Namensrechte und bekennt sich langfristig als Technik- und Sponsorpartner. Die schnellste deutsche Formel-Rennserie heißt demnach ab 2007 ‚ATS Formel-3-Cup’. Eine weitere Neuerung im ATS Formel-3-Cup war die Einführung der Challenge-Motoren auf Opel-Basis. Diese Triebwerke bringen weitere Chancengleichheit und durch deutlich verlängerte Revisionsintervalle auch eine maßgebliche Kostenreduzierung.

Auch 2008 schreitet der ATS Formel-3-Cup kontinuierlich nach vorn. Mit dem ADAC ging man eine Kooperation ein, die den Großteil der Rennen des ATS Formel-3-Cup, des ADAC GT Masters und dem neuen ADAC Formel Masters gemeinsam vorsieht. Diese Partnerschaft mit Europas größtem Automobilclub wird den deutschen Formel-3-Sport einem breiten Publikum näher bringen. Vor allem die Markenvielfalt im ATS Formel-3-Cup 2008 ist erstaunlich: mit Dallara (Italien), Lola (England) und Mygale (Frankreich) sind drei Chassishersteller vertreten und mit VW-Spiess, Mugen-Honda, OPC-Challenge, Mercedes-HWA und Renault-Sodemo sogar fünf verschiedene Motoren am Start.